Die Suche nach dem „einen“ Schiff
Die vier Freunde wussten bereits im Vorfeld einiges über das Boot. Ursprünglich war geplant, dass jeder von ihnen ein eigenes Segelboot kauft. Doch als sie schließlich beschlossen, ihre Kassen zusammenzulegen und gemeinsam etwas Großes zu wagen, suchten sie in ganz Skandinavien nach geeigneten Objekten. Es gibt beispielsweise eine 12-Meter-Yacht in Norwegen, auf die es alle abgesehen haben; doch der millionenschwere Reeder, dem sie gehört, hat entschieden, dass das Schiff mit ihm sterben soll. Pathetisch, aber wahr.
Ähnliche Beispiele finden wir in der Welt der Motorboote, wo viele junge Enthusiasten die Prachtyachten alter Millionäre erwerben wollen. Doch die Millionäre sagen nein. In mindestens zwei bekannten Fällen haben die Besitzer ihre Yachten auf hohe See hinausgefahren, die Bodenventile geöffnet und sind dann in das Beiboot und ließen sie sinken. Die eine liegt nun in der Saxarfjärden, eine andere an der tiefsten Stelle bei Kanholmen.
Ein Erbe statt eines Seegrabs
Die „Golun“ gehörte glücklicherweise keinem Millionär, der sie mit sich in die Tiefe reißen wollte. Sie war im Besitz von drei jungen Männern in Göteborg, die sie 1971 von einer norwegischen Familie übernommen hatten. Diese Familie wiederum hatte sie von einer anderen norwegischen Familie übernommen, und so weiter.
Ursprünglich wurde sie 1931 in Schottland von einer Familie namens Heje bestellt und gebaut. Ihr erster Name lautete „Hei“. Später trug sie bereits einmal den Namen „Golun“.
Namensstreit beim Würstchen-Essen
Die Jungs aus Resarö kabbelten sich den ganzen Winter darüber, wie sie das Schiff ihrerseits taufen sollten. Der Name „Fragancia“ stand lange im Raum, und eine Zeit lang dachte man – inspiriert von der Art bekannter Autohändler, ihre Boote zu benennen – sie „Snok av Resarö“ zu taufen.
Doch nur wenige Tage vor dem Stapellauf legte man bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung den endgültigen Namen fest: „Du sollst ‚Golun‘ heißen – möge Glück und Wohlergehen dich auf den sieben Weltmeeren begleiten!“ Hoffentlich wurde die Taufe mit einem Schlückchen Champagner zum Würstchen gebührend gefeiert.
Demokratie an Bord
Vorstandssitzung, ja... wie funktioniert das eigentlich, wenn vier Mann ein Boot wie dieses besitzen, das schon Geld kostet, sobald man es nur ansieht?
Das Vetorecht der Kindheitsfreunde
Nun, es funktioniert erstaunlich gut – eben weil sich die Jungs seit ihrer Kindheit so gut kennen. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde jedoch festgelegt, dass jeder Miteigentümer ein Vetorecht gegen jede Entscheidung hat, die Kosten von mehr als 400 Kronen verursacht. Bisher wurde von diesem Vetorecht kein Gebrauch gemacht; im Gegenteil: Bei jeder Vorstandssitzung kommen ständig neue Ideen auf, die Geld kosten.
Ein Sommer voller Wind und Wellen
Zum Zeitpunkt der Drucklegung segelt die „Golun“ ihrem ersten Sommer an der Ostküste entgegen, freudig begrüßt von Schiffen wie der „Beatrice Aurore“, die nun endlich eine ebenbürtige Spielgefährtin gefunden hat.
Die Segelsaison ist bereits bis ins Detail durchgeplant:
Zuerst geht es zum Gotland Runt, dann nach Sandhamn, weiter nach Bornholm, Båstad, Skagen und Marstrand. Nach einem Landgang in Smögen führt die Route über den Göta-Kanal zurück, denn am 2. August will man wieder in Sandhamn sein – pünktlich zur Weltmeisterschaft der 6er- und 8er-Klassen. Die Saison endet schließlich mit dem „Tag des Segelboots“ auf der Riddarfjärden.
Wurde sie früher eher sparsam gesegelt, darf sie in diesem Jahr nun zeigen, was in ihr steckt. Und wenn sie doch einmal im Hafen liegt, wird sie garantiert zur Attraktion. Sie sind natürlich herzlich an Bord willkommen – sofern Sie Gummischuhe an den Füßen haben und Würstchen mögen.