Rhona Regatta History
März 3, 2016

Die Rettung der „Golun“: Ein kulinarischer Verzicht für die Segelkultur



Gott sei Dank gibt es Menschen, die sich unserer großen Segelschiffe annehmen, wenn sie alt und knarrig werden. Vier junge Männer aus Resarö ernährten sich einen ganzen Winter lang von Würstchen, um die 12-Meter-Yacht „Golun“ zu retten.
Möge der Herr die Zeit finden, seinen Segen und seine schützende Hand über alle Enthusiasten in der Bootsszene zu halten. Dabei denke ich in erster Linie an die Jungs aus Resarö. Sie kauften die „Golun“ für 117.000 Kronen und investierten im Laufe des Winters weitere 81.000 Kronen in Ausrüstung und Umbau.

Überleben mit „Korv och Mos“
Die Männer lebten in der vergangenen Zeit von Würstchen mit Kartoffelbrei; kaum eine Zigarette zum Leichtbier konnten sie sich gönnen. Doch das Opfer hat sich gelohnt: Jetzt gehört die „Golun“ ihnen – und in dem Zustand, in dem sie sich heute befindet, ist sie ihre 198.000 Kronen mehr als wert. Möge der Herr die Jungs segnen, denn was sie vollbracht haben, ist eine wahre Kulturtat.

Vom Sandkasten auf die Hochsee
Es handelt sich um vier junge Männer, eine Clique aus Resarö, die schon in den Sommern der 50er Jahre zusammen spielten und als Teenager in den 60ern gemeinsam segelten. Nun, da aus den einstigen Jungen gestandene Männer geworden sind, besitzen sie gemeinsam die einzigartige 12-Meter-Yacht „Golun“ – eines der größten und prächtigsten Segelboote Schwedens.
Diesen Winter lag sie Seite an Seite mit Wallenbergs „Refanut“ draußen auf der Neglinge-Werft. Die „Golun“ ist fünf Meter länger als die „Refanut“ – 3,8 Meter breit und mit einem Tiefgang von 2,7 Metern. Unter Deck, in ihrem mächtigen Rumpf aus Honduras-Mahagoni, verbirgt sie Salons mit kostbarer Innenausstattung. Sie ist eine schwimmende Kathedrale. Über Deck führt sie ein Kreuzsegel-Set von 190 Quadratmetern, und im Laufe der Zeit sollen es noch mehr Segel werden.

Rückkehr zum Original
Als die Jungs sie kauften, war sie als Yawl getakelt – ein Einfall eines früheren Besitzers. In der Originalzeichnung hat sie jedoch nur einen Mast und ein Großsegel von 145 Quadratmetern. Jener Vorbesitzer, dem es wohl an Kraft fehlte, hatte den ursprünglichen Baum gekürzt, einen Besanmast hinzugefügt und sie mit einem Großsegel von lediglich 115 Quadratmetern ausgestattet. Das werden die jungen Männer ändern, aber das muss bis zum nächsten Jahr warten.

81.000 Kronen für die Substanz
Diesen Winter haben sie der „Golun“ 45 Meter neue Planken im Boden spendiert, das Cockpit umgebaut – das zuvor nicht größer war als das einer 5-Meter-Jolle – und es selbstlenzend gemacht. Zudem wurde der gesamte Rumpf oberhalb der Wasserlinie neu kalfatert, das Deck teilweise erneuert und die Inneneinrichtung komfortabler gestaltet. Dafür sind die 81.000 Kronen aufgewendet worden.
Es ist natürlich klar, dass man sich wünscht, das Geld hätte zusätzlich noch für einen neuen Baum und ein neues Großsegel gereicht, aber so viel Würstchen kann man gar nicht essen.
Die Jungs aus Resarö, die sich diesen Lebenstraum erfüllt haben – das sind Anders Skog, die Brüder Curt und Lars Hessler sowie Anders Hemberg.
Sie kauften die „Golun“ letzten Herbst in Göteborg, holten sie in Långedrag ab und segelten sie bei schwerem Wetter in fünf Tagen nach Hause nach Stockholm. In Spitzenzeiten loggte sie stolze 12 Knoten. Doch mit der Originalbesegelung wird sie noch schneller sein.

Die Suche nach dem „einen“ Schiff
Die vier Freunde wussten bereits im Vorfeld einiges über das Boot. Ursprünglich war geplant, dass jeder von ihnen ein eigenes Segelboot kauft. Doch als sie schließlich beschlossen, ihre Kassen zusammenzulegen und gemeinsam etwas Großes zu wagen, suchten sie in ganz Skandinavien nach geeigneten Objekten. Es gibt beispielsweise eine 12-Meter-Yacht in Norwegen, auf die es alle abgesehen haben; doch der millionenschwere Reeder, dem sie gehört, hat entschieden, dass das Schiff mit ihm sterben soll. Pathetisch, aber wahr.
Ähnliche Beispiele finden wir in der Welt der Motorboote, wo viele junge Enthusiasten die Prachtyachten alter Millionäre erwerben wollen. Doch die Millionäre sagen nein. In mindestens zwei bekannten Fällen haben die Besitzer ihre Yachten auf hohe See hinausgefahren, die Bodenventile geöffnet und sind dann in das Beiboot und ließen sie sinken. Die eine liegt nun in der Saxarfjärden, eine andere an der tiefsten Stelle bei Kanholmen.

Ein Erbe statt eines Seegrabs
Die „Golun“ gehörte glücklicherweise keinem Millionär, der sie mit sich in die Tiefe reißen wollte. Sie war im Besitz von drei jungen Männern in Göteborg, die sie 1971 von einer norwegischen Familie übernommen hatten. Diese Familie wiederum hatte sie von einer anderen norwegischen Familie übernommen, und so weiter.
Ursprünglich wurde sie 1931 in Schottland von einer Familie namens Heje bestellt und gebaut. Ihr erster Name lautete „Hei“. Später trug sie bereits einmal den Namen „Golun“.

Namensstreit beim Würstchen-Essen
Die Jungs aus Resarö kabbelten sich den ganzen Winter darüber, wie sie das Schiff ihrerseits taufen sollten. Der Name „Fragancia“ stand lange im Raum, und eine Zeit lang dachte man – inspiriert von der Art bekannter Autohändler, ihre Boote zu benennen – sie „Snok av Resarö“ zu taufen.
Doch nur wenige Tage vor dem Stapellauf legte man bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung den endgültigen Namen fest: „Du sollst ‚Golun‘ heißen – möge Glück und Wohlergehen dich auf den sieben Weltmeeren begleiten!“ Hoffentlich wurde die Taufe mit einem Schlückchen Champagner zum Würstchen gebührend gefeiert.

Demokratie an Bord
Vorstandssitzung, ja... wie funktioniert das eigentlich, wenn vier Mann ein Boot wie dieses besitzen, das schon Geld kostet, sobald man es nur ansieht?

Das Vetorecht der Kindheitsfreunde
Nun, es funktioniert erstaunlich gut – eben weil sich die Jungs seit ihrer Kindheit so gut kennen. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde jedoch festgelegt, dass jeder Miteigentümer ein Vetorecht gegen jede Entscheidung hat, die Kosten von mehr als 400 Kronen verursacht. Bisher wurde von diesem Vetorecht kein Gebrauch gemacht; im Gegenteil: Bei jeder Vorstandssitzung kommen ständig neue Ideen auf, die Geld kosten.

Ein Sommer voller Wind und Wellen
Zum Zeitpunkt der Drucklegung segelt die „Golun“ ihrem ersten Sommer an der Ostküste entgegen, freudig begrüßt von Schiffen wie der „Beatrice Aurore“, die nun endlich eine ebenbürtige Spielgefährtin gefunden hat.

Die Segelsaison ist bereits bis ins Detail durchgeplant:
Zuerst geht es zum Gotland Runt, dann nach Sandhamn, weiter nach Bornholm, Båstad, Skagen und Marstrand. Nach einem Landgang in Smögen führt die Route über den Göta-Kanal zurück, denn am 2. August will man wieder in Sandhamn sein – pünktlich zur Weltmeisterschaft der 6er- und 8er-Klassen. Die Saison endet schließlich mit dem „Tag des Segelboots“ auf der Riddarfjärden.
Wurde sie früher eher sparsam gesegelt, darf sie in diesem Jahr nun zeigen, was in ihr steckt. Und wenn sie doch einmal im Hafen liegt, wird sie garantiert zur Attraktion. Sie sind natürlich herzlich an Bord willkommen – sofern Sie Gummischuhe an den Füßen haben und Würstchen mögen.